Literatur-Apotheke
wir nähern uns norden
für Rebecca Zinke

liegt dein gesicht zwischen zwei monden
zerfließt schnee
waren die konturen deiner augen
einmal licht einmal nacht
ein anderes mal

trafen wir uns auf altem kristallin
langsam fangen die falten an
meine geschichte zu erzählen

granatglimmerschiefer faltengebirge
aus knotenschiefern
baute ich das dach eines hauses

im mittagslicht schimmert cordierit
cordieritblau beugt sich der himmel
über das dorf
in seiner unwissenheit wirkt er einsam
allein ein einzelgänger
unter den eremiten der bergdohlen
gleicht deine stimme dem knistern in eis
wir nähern uns norden


Autor: Werner Weimar-Mazur (61 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Gedichte sind Teil eines kollektiven Gedächtnisses. Sie verbinden: Menschen, Orte und Zeiten, vielleicht sogar Himmel und Hölle. Und dies geschieht allein durch Sprache, durch Sprechen, hier durch einen geschenkten Vers. Gibt es etwas Vergleichbares sonst in einem Menschenleben? Wenn es Gedichte nicht gäbe, man müsste sie erfinden!
Quelle: eigenes Manuskript, unveröffentlicht