Europa - Gestern und Morgen
Europa! Weißt du, wer du einst warst?
Die prachtvolle Frau mit weiter Sicht,
Sitzend auf dem Thron geschmückt mit ungezählten Sternen,
Tochter des Königs Agenor, ein wunderschönes Licht.

Schau an! Deine Töchter, deine Söhne,
Auf deinem Thron mit ungezählten Sternen,
Aus ihren Mündern nur halblaute Töne,
Aus den Sternen sind nun geworden Laternen.
Schau an! Deine Söhne, deine Töchter,
Ohne Geschick und außer Stande,
Auf ihren Gesichtern nur schallende Gelächter,
Sehen sie nicht weiter als ihre Hände.

Europa! Weißt du, wer du einst warst?
Du musst wieder wie einst werden.
In deinem Himmel abends die Sterne,
Du, die Geliebte des Zeus auf Erden.

Schau an! Deine Kinder, deine Knaben,
Vollbringen sie unter deinem goldenen Fell,
Nichts außer Schwäche und Schaden,
Grelle Schreie, grelle Pfiffe hört man vom wilden Gesell.
In deinem Reich dunkle Wälder in düsteren Ländern,
Einst geritten auf die Insel, will die Insel nicht mehr pinseln,
Auf dem Gemälde gestaltet einst von dir und deinen Kindern,
Haben erbleichte Leiber angefangen das Reich zu zerteilen.

Europa! Weißt du, wer du einst warst?
Wieder weben musst du das Land aus festem Zwirn.
Dich trägt der weiße Stier auf dem Rücken,
Denn du trägst das Zeichen an der Stirn.

Schau an! Dein Himmel in kalter Nacht,
In blauer Stunde stumm und taub,
Was ist eine Weihnacht ohne Stern und Pracht,
Versunken in alten Büchern in Qualm und Staub.
Auf die Insel versuchen sich Menschen auf Flößen,
Vergessen, dass wir sitzen im gleichen Boot,
Kommen sie geschwommen in Fluss und Strömen,
Um teilzuhaben an unserem Tod und Abendbrot.

Europa! Weißt du, wer du einst warst?
Einst Vater der Götter nach dir gestrebt,
Enkel des Poseidon, Enkel der Meere,
In unzähligen Sagen und Mythen prachtvoll erwähnt.

Schau an! Deine Sterne in finsterer Nacht,
Erbleichen das Antlitz deiner Kinder,
Suchen vergeblich nach Frieden und Macht,
Möglich nur Hand in Hand und miteinander.
Schau auf heute und auf morgen,
Dein grausames Schicksal noch nicht erfasst,
Schau auf dein Land und deine Leute,
Ein Jammertal haben sie draus gemacht.

Europa! Weißt du, wer du einst warst?
Ganz vergessen sollst du Scheu und Sorgen,
Weine zwar über verflossene Zeiten,
Doch sieh nach vorn und auf morgen,
Dies soll nicht deinem Blick entschwinden,
Denn dort liegt dein kostbarster Schatz verborgen.

Europa! Weißt du jetzt, wer du einst warst?


Autor: Aykut Kaya (25 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Wo leben wir? Was ist Europa? Fragen die jeden Bürger auf diesem Erdteil beschäftigen sollten, haben auch mich beschäftigt. Angst und Hoffnung sind Begriffe mit denen ich Europa zu beschreiben vermochte. Was ist für Sie Europa?
Quelle: