Kondenskörper
Die Wimpern knistern, dein Blick treibt auf
dünnem Sand
Das Tageslicht wartet auf dem Fensterbrett
bis wir es hineinlassen

Wir stehen auf und niemand weiß,
welches Gesicht mit ihm erwacht.
Der Tag ist ein großer Garten,
glüht nach, ist warm, eingefärbt mit Rauch und Küssen

Der Morgen dreht sich mit der Erde und mein Lächeln
hüpft durch deinen ersten Satz

So Vertraut die Wiederholung, die dich vergisst.

Wir stehen auf
Die Zeit ist unerreichbar zwischen Atemzügen.
Und dieses Tasten nach der Hand,
wenn die Sätze sich verlaufen.
 
II
Täglich  verschiebt sich der Gedächtnisrand
und was wir sagen wollten: Die Liebe weiß
 
nicht, dass die Zeit uns aufsagt. In unseren Händen
schwitzt ein großer See und die Welt
 
fängt wieder an, zu Flüstern
über dem Gartentor, wie ein Spinnennetz,
 
das ein Wort in die Luft hängt, lauernd
auf Zusammenhang. Wir denken uns in Reihenfolgen,
 den Tisch gedeckt, und wenn sich Stille
öffnet: Auf der Straße zum Bäcker geht die Liebe
 stumm wie ein Reh.

Ein Abschied zieht über
die Tapete, zeichnet Schatten der Veränderung
 über uns.
Eine andere Geschichte läuft  
über Kopf und du sortierst dich noch für eine Weile
mit Spiegel, Schminke und Kamm.
Das Wasser fließt wie gestern.

Ein Licht liegt
leicht auf deinen Augen und Stille glänzt
entlang der weißen Tapete wie ein gefrorener See,
dem Risse durch die Mitte laufen.

Es riecht nach Wein
Die Erregung auf deiner Haut beginnt zu singen.

Ein Lächeln wartet draußen in den Zweigen,
das dich nicht kennt und sich in Bäumen
 dreht. Bist du denn schon wach?

Es zieht den Morgen immer weiter in die Wirklichkeit
ganz ohne Arme,
ganz ohne Beine
ganz ohne Küsse

Das Hinsehen hält dich
an ihm fest und was du sagen wolltest gestern,
vorgestern vielleicht.
Zum Frühstück fallen Regenworte.
Wer schließt die Fenster
wenn sich die Wolkensilben öffnen
und du dich setzt?


Die Entbehrung ist ein Wörterbuch, wenn sie vom Baum
fällt. Du schlägst es auf, hälst Schmetterlinge
in den Händen, die wie Gartentore sind, nur leichter


Dein Kleid tanzt
an der Wäscheleine und  fließt im Wind, fließt
 wie ein Fluss zum Meer.
Ich tauche meine Hände darin ein,
als hätte es unsere Ferne nie gegeben. Blätter fallen,
Federn und Daunenstaub

Ein Zittern geht umher wie jeden Tag,
immer wird etwas gesucht.
Wir lesen uns mit Händen, einsortiertes Licht,
öffnen, die Augen und schließen sie.
Ich scharre mit den Wimpern zwischen deinen Schenkeln

Wir hätten schlafen können
in der Luft, im Flugschatten unserer Distanz
so unliniert wie ein leeres Blatt
Du atmest ein,
die Hände voller Seen,
auf denen unserer leeren Blätter treiben


 Das eigene Schweigen steht um uns herum
an der Tür zum Garten.

Wir betreten Regen,
öffnen unsere Kleidung die Luft zwischen unserern Brustkörpen,
die nackte Haut, versteckt den Klang
Es ist feucht, die Landschaft fädelt deine Stimme ein.
Tropfen wölben sich über deine Brustwarzen
 
In jedem deiner Worte dreht sich meine Erde
und du weißt nicht,
wie ich dich ansehe, wenn du deine Fußspuren
mit Sand bedeckst
und Gärten und Berge vor deinen Fenstern erwartetst
die wir aufsaugen und trinken
durstig wie
Ein Meer das in uns schweigt




Belassen wir es dabei

Sagen wir
die Entfernung der Fenster
hinter denen wir alles sehen
und alles sein können

Sagen wir
Atemflocken & Erinnern
kein Rückwärtsgehen

Sagen wir
an den Häusern der Wein
die Spatzen, ihre Schwingen
die Anatomie deiner Kusslippen
an einem Frühsommertag

Sagen wir
in den Himmel gebrannt
Kondenskörper
Hyrogylphen an der
Innenseite deiner Schenkel

Sagen wir
Die Welt hat kein Gewicht


Autor: Nico Feiden (24 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Nie werden Gedichte, Lieder und Opern geschrieben, Gemälde gemalt, ohne zu lieben.
Was wäre die Liebe ohne die Kunst, ohne die Fähigkeit, dieses große Mysterim in Worte oder Melodien zu beschreiben, es wenigstens zu versuchen, um sich selbst als Gefühl Heimat zu werden, ohne Zweifel in die zukunft zu blicken, um sich einmal zu sagen, wie groß und weit die Liebe im eigenen Leben erblüht.
Quelle: der Autor selbst