ein richter am rhein
ein richter am rheinarm

eingezwängt zwischen den zeilen gesetz um gesetz. du möchtest den gerichtssaal räumen
neu ordnen. die frau mit den weichen händen da weg, hatte keinem ein leid getan

lebenslänglich versorgt von liebevollen pflegekräften - die fenster haben gitter - und alles weil
der blumentopf aus dem ersten stock fiel. auf keinen kopf. auf dem weg nach hause die akten

auf dem rücksitz, du denkst an unfall - totalschaden. das haus im wiegeschritt zittert - sollst du
hinein oder hinaus - die zimmer vernagelt vom schweigen deiner frau. verbrenne die akten in

der tonne habt ihr die ersten hühner geschlachtet, euch noch gemeinsam erschreckt wie
weh landleben tut. oder in irgendein literaturarchiv geben. jede akte ein antikes drama und

der chor singt: - . du gehst. du musst. nicht wie der nachbar erhängt im schuppen von dem du
das boot mit dem leck hast. die angel ist ein vorwand für deine frau. nicht sprechen bitte nicht

recht sprechen gar nichts nur dunkel und hören. höre und zögere das denken hinaus. lasse eine lücke
zu den bildern und worten im kopf. manchmal gelingt dir eine übersetzung. du nennst das gedicht.


Autor: Viola Michely (47 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Was mir begegnet und mich berührt, darüber schreibe ich. Ob es nun Bilder der Kunst, der Natur oder Menschen sind. Ich versuche den Menschen ganz nah zu kommen, wie sie denken, wie sich in ihrem Leben eingerichtet haben, ihren Stimmungen. Natürlich sind die Figuren in den Gedichten und Erzählungen Erfindungen und doch kann dieser Richter auch irgendwo leben, in irgendeinem Landgericht arbeiten und abends geht er an den Rhein .
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