Am Abgrund
Hier sind wir. Stehen am Abgrund. Bilden ein Mahnmal. Ein Mahnmal unseres eigenen Versagens.
Ein paar Schritte. Ein paar Schritte nur vom Abgrund entfernt. Immer näher. Immer näher heran. Mit geschlossenen Augen. Blind.
Der Sturz. Beim nächsten Schritt? Beim übernächsten? Ungewiss.
Der Unvermeidbarkeit des Sturzes bewusst. Trotzdem. Ignorieren. Immer weiter. Immer weiter voran. Gelähmt. Gelähmt und blind.
Haben wir wirklich schon verloren? Der Unglaube. Der Unglaube dessen macht uns handlungsunfähig. Kurzsichtig. Wir sehen nicht. Sehen nicht, was da direkt vor uns liegt. Doch wir können keine Brücke mehr bauen. Können nicht mehr fliegen. Nicht einmal ein Seil wird uns noch über den Abgrund helfen.
Da ist nur noch eins. Nur noch ein Ende. Das Ende, das uns direkt in den Abgrund führt. Das Ende, das keine andere Option mehr offenlässt.
Wie viel Zeit uns bleibt? Vielleicht genug, um noch umzukehren. Vielleicht zu wenig, um die Unvermeidbarkeit des Sturzes zu verhindern. Vielleicht keine mehr.
Haben uns weiter entfernt. Immer weiter. Von dem, was mal wichtig war; was wirklich zählte. Leben in einer Welt, in der es nur darum geht in allem der Größte, der Stärkste, der Beste zu sein. In allem. In allem, das uns weiter an den Abgrund führt.
Alles andere? Hinter uns gelassen.
Weiter, weiter. Immer voran. Größer, stärker, besser.
Es ist Zeit die Augen zu öffnen. Diese vielleicht letzte Chance zu nutzen. Unsere wahren Werte zu erkennen. Wieder zu sehen. Uns zu sehen. Und dem ganzen eine Stimme zu geben. Unsere Stimme.
Hoffentlich haben wir ihren wahren Klang noch nicht vergessen. Den Klang aus unserem Inneren. Den Klang des Menschseins.
Schau dich um. Schau dich um in unserer Welt. Öffne die Augen. Lebe lauter. Wenn du wieder zurückgefunden hast. Zu dir selbst. Weg vom Abgrund.
Und dann wirst du erkennen. Wirst du sehen, mit welch rasender Geschwindigkeit wir auf den Abgrund zusteuern.
Die Werte. Die Gebote. Das Menschsein. All das zählt nichts mehr. Wird oft als Schwäche ausgelegt. Als Schwäche unseres eigenen Handelns.
Wann haben wir verlernt zu lieben? Uns zu lieben? Wann wurden wir zu diesen selbstbezogenen Wesen, die um Bestätigung heischend immer weiter auf den Abgrund zusteuern?
Wer sind wir, dass uns die Möglichkeit des allgegenwärtigen Konsums so aus der Bahn wirft, dass wir nur noch darauf aus sind Profit zu machen? Profit, Profit, Profit. Immer mehr.
Und mit jeder Entwicklung verlieren wir. Verlieren ein Stück von uns selbst. Unserer Individualität. Unseres Menschseins.
Ferngesteuert. Wie ferngesteuert.
Wenn es so weit ist. Wenn wir unserem Handeln, unseren Bewegungen, jedem unserer Schritte keine Stimme mehr geben, stürzen wir ab. Lautlos. Ohne etwas zu hinterlassen. Hinein in die Dunkelheit.
Ausgelöscht.



Autor: Anna-Lena Brandt (24 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers:
Meine Motivation für diesen Text besteht darin, den Menschen die Augen zu öffnen.
Sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie viel zu viel einfach ignorieren; einfach hinnehmen.
Dabei sollte jeder etwas ändern und es nicht nur auf den anderen schieben, denn nur mit dieser
Einstellung haben wir eine Chance wieder an alte Werte anzuknüpfen und uns Schritt für Schritt vom "Abgrund" zu entfernen.
Quelle: