Würstchenstand
An einem verlassenen Würstchenstand am Rande des Bahnhofs kaufte ich mir eine Bratwurst mit Senf.
„Du bist der erste Mensch seit drei Tagen, der hier etwas kauft“, begrüßte mich der Budenbesitzer. Ich nickte und kramte in meinem Portemonnaie nach Kleingeld.
„Keiner mag mehr Würstchen. Früher waren die Leute ganz wild drauf...“ Ich gab ihm schweigend ein paar Münzen.
„Aber weil du mein Freund bist, bekommst du ein extragroßes Würstchen!“
Ich bedankte mich.
„Niemand mag mehr Würstchen. Ich weiß auch nicht, warum.“
Ich gab vor, eilig zum Zug zu müssen.
„Alles wird immer teurer. Niemand will mehr Geld ausgeben...“
Ich entfernte mich bereits vom Würstchenstand, doch hinter mir hörte ich ihn noch weiter reden.
Ich war schon fast im Bahnhofsgebäude, als ich ihn leise rufen hörte: „Aufwiedersehen, mein bester Freund...“


Autor: Benedikt Franke (30 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Jeder Tag ist Literatur - oder vielmehr: sollte es sein. Man muss nur genau hinsehen.
Quelle: