Mama

Oh Mama, wenn du wüsstest,
wie du mich in meinen Träumen küsstest,
hast mich gestreichelt und liebkost,
hast mich beschützt und gabst mir Trost.
Die Lebenskraft war wieder da,
doch leider nur im Traum, Mama.

Dass ich kein Kind der Liebe bin
hab ich von dir gehört.
Das hat mich damals sehr verletzt,
und seelisch tief verstört.
Vom ungestümen Akt der Lust
zeitlebens blieb die Spur.
Ich hab mich in dir eingepflanzt
als Zauber der Natur.

Ein Lächeln von dir hab ich mir
gewünscht und Zeit erhofft,
in der du mit mir spielst und singst:
ich weiß nicht mehr wie oft
ich hörte: „womit hab ich dich
verdient?“ Es schmerzte sehr,
denn deine Gesten waren kühl
und deine Blicke leer.

Oh Mama, wenn du wüsstest,
wie du mich in meinen Träumen küsstest...

Mein Vater schlug gedankenlos
auf meinen Körper ein.
Du hast mich damals nicht beschützt,
ich selber war zu klein,
und brüllte mich in deine Ohr’n
du schautest weg. Mit recht
hast du als Opfer überzeugt,
denn: „deine Welt war schlecht“.

Oh Mama, warst du für mich da?
Ja oft, doch nur im Traum Mama!

Ich hab mich lange Zeit bekämpft,
Geschehenes verdrängt.
Du hast es besser nicht gekonnt,
dich selbst auch eingeengt.
Ich lerne meinen Weg zu sehn,
verantwortlich zu sein.
Vergeben kann ich doch nur mir,
dir musst du selbst verzeih’n.


Autor: Ute Apitz (62 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Schreiben ist Gedanken sortieren und manchmal auch Therapie. Die Freude beim Finden von Bildern und Worten für Gefühle und Situationen
Quelle: Die Autorin selbst