Literatur-Apotheke
Ich hätte dir so vieles noch zu sagen
Ich hätte dir so vieles noch zu sagen


Mit Wolken würde ich gern weiterziehen:
Der Himmel trägt sie über Wald und Felder.
Sie jucken weder Kurs noch Tagesgelder:
Ach könnte man dem Hamsterrad entfliehen!

Kannst du mir meine Kälte je verzeihen?
Im Ernst: Vergäbe ich sie mir denn selber?
Ich tanzte mit der Welt um Goldne Kälber
Und hörte mich mit gleicher Gier laut schreien,

Als alle Kurse durch die Decke brachen.
Ich weiß, ich halte nichts in meinen Händen
Und kenne keine Antwort auf die Fragen,

Die mir erst in die leeren Augen stachen,
Als ich erkannte, was wir da verschwenden:
Ich hätte dir so vieles noch zu sagen.


Autor: Walther Stonet (61 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Bei diesem Sonett habe ich den Zwiespalt zwischen Alltag und Beziehung thematisiert - bewußt überspitzt, wie sich das beim Lehrgedicht Sonett auch gehört. Die Spannung und der Antogonismus - etwas, das dem Leben gemein ist und es in allen Ebenen durchfringt - wird durch die Gegenüberstellung der beiden Lebensbereich erreicht - so wird das Sonett auch zum Dialoggedicht, das es ja sein soll.
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