Tiefe des Meeres
Meer, du so unsagbar Tieferes als wir,
wir werden ewig in dir lesen…

Du tausendfach von uns befragtes,
nach aller Wandelungen Wesen -
wie weißt du alles übers Sterben…

Wir deuten dich mit allen unsren Verben…

Du so vergeblich in das Wort gewagtes,
um dessen Weisung wir seit jeher werben -
wie weißt du alles übers Bleiben…

Meer, du so unsagbar Tieferes als wir,
wir werden ewig von dir schreiben…

Ich aber gebe auf: dein Übermaß soll mich erfinden,
dich nicht mehr lesen will ich, noch beschreiben -
dein Blick soll bei mir sein und mich begründen,
von Zeit zu Zeit lass mich ein wenig bei dir bleiben…

Auf dass dein Salzwind Tiefe in mich breite,
und ich ein wenig achtsamer durchs Leben schreite…

Dies sei mein Bleiben, und dies sei mein Sterben...

Ich schweige dich mit allen meinen Verben...


Autor: Thomas Hoffmann (36 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Im poetischen Schreiben wende ich mich den Grundthemen menschlicher Existenz zu: Identität, Tod, Sterblichkeit, Wert und Vergeblichkeit individuell angestrebter Entwicklung, Zwischenmenschlichkeit, deren Gelingen oder Scheitern, Emotionalität, Einfühlsamkeit usw. Mein Ziel dabei ist, das durch mein Bewusstseins- und Seelenleben hindurchgegangene und dann in Wort und Schrift bildhaft ausgedrückte auf eine intersubjektiv nachvollziehbare und inspirierende Weise fruchtbar zu machen.
Quelle: der Autor selbst