Überleben
Es war Oktober und draußen schien die Sonne. Wir hatten kaum was gegessen und überlegten, wie wir den Magen füllen und dem Nachmittag etwas abgewinnen konnten. Das galt es miteinander zu verbinden. Zu der Zeit fand gerade eine Messe in unserer Heimatstadt statt. Wir überlegten dorthin zu gehen. Eintritt konnten wir nicht bezahlen, aber da war sicher ein Loch im Zaun, durch das man hindurch schlüpfen konnte!
So gelangten wir auf die Zufahrtsstraße, an der sich einige größere Warenschuppen befanden, darunter auch der einer Tee- und Tabakfirma. Wir sahen, dass dieser geöffnet war und Menschen hinein und hinaus gingen. Auch wir betraten die Halle. Zu unserem Verwundern stellten wir fest, dass man hier Tee umsonst probieren konnte und außerdem verschiedene Tabaksorten. So ließen wir uns das dunkel leuchtende Getränk von den netten Damen aus ihren großen Kannen einschenken und drehten uns eine Zigarette, denn Tabak hatten wir auch nicht. Der ausgeschenkte Tee duftete intensiv und auch der Tabak, der in einer kleinen Kiste bereitstand. Dabei unterhielten wir uns. Die Zeremonie wiederholten wir und vergaßen die Zeit. Draußen begann es dunkel zu werden. Die Messe vergaßen wir dabei. Erst als der Warenschuppen geschlossen wurde, der meiste Tabak war inzwischen weg geraucht, fiel uns die Ausstellung ein. Aber es war inzwischen zu spät, dorthin zu gehen und so verschoben wir es auf den nächsten Tag. Den Magen hatten wir zwar nicht gefüllt, aber der warme Tee wärmte uns auf. Schließlich gingen wir zu meinem Kumpel, der noch zu Hause wohnte. Seine Mutter hatte noch etwas Suppe für uns. So bekamen wir dann doch noch etwas zu essen! Draußen leuchtete das gefallene Laub bunt auf und die Luft roch danach.


Autor: Karl Farr (61 Jahre)
Motivation für diesen Text, Schreib- oder Leseerfahrung des Einreichers: Verarbeitung eigenen Kummers. Hilfe für andere.
Quelle: der Autor selbst