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Jetzt
Jetzt geht es langsam zu Ende,
die Haut und die wenigen Muskeln
drängen der Erde zu,
vorbei die Tage in der die fasrigen Hände
den Teig für den Träubleskuchen kneteten
und sich tief in die Erde bückten
um das Unkraut aus ihrem geliebten Garten zu rupfen.

Ihre Augen etwas trüb wie ein Alpensee im Novembermorgen,
nein, das Zusammenreißen nützt nichts mehr,
ihre neunzig Jahre aus Willen und Pflicht sind
archealogische Relikte einer zerronnenen Zeit.
Liebe kam etwas zu kurz, Arbeit war der Gott
alttestamentlich hart und unvergeblich, der das Leben
dicht am Boden hielt mit wenig Blumen.

Jetzt spricht sie Liebesworte, so viele wie nie
zuvor in Jahrzehnten, etwas spät, doch wachsen
ist auch rückwärts, in die Vergangenheit wie das Wissen
des Rückens der sich im Tanze dreht, und ihre
dürren Beine haben keine Angst wenn der Tod
sie auffordert für diesen letzten Walzer.


Responsive image Dieses Werk ist ein Stammpräparat Responsive image

Titel: Jetzt
Autor: Hans Jorg Stahlschmidt
Quelle: Literaturwettbewerb 2020
Anwendung: Erste Hilfe
Thema: Liebe und Beziehungskisten
Genre: Gedichte

Hochgeladen von: Hans Jorg Stahlschmidt
Am: 05.05.2020
Motivation: Schreiben ist der unpersönlichen Welt einen Sinn abzuringen. Das große Dunkel zu illuminieren. Uns einander Zeichen geben daß wir nicht allein sind auf diesem seltsamen Planeten
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